1936–1959: Die Sammlung Emil Bührle
Die erste Rechnung, 1936


1936–1945

Emil Bührle begann mit ersten Käufen von Kunstwerken im November 1936 im Hinblick auf das grosse Wohnhaus, das er im Herbst des folgenden Jahres mit seiner Familie bezog. Sie richteten sich auf französische Maler rund um die Ecole de Barbizon, auf Camille Corot und Gustave Courbet, umfassten aber auch die klassischen Impressionisten wie Claude Monet, Camille Pissarro, Auguste Renoir und Alfred Sisley. Die meisten Käufe tätigte Emil Bührle damals bei der Zürcher Galerie von Toni Aktuaryus. Kostspieligere Bilder erwarb er bei Siegfried Rosengart in Luzern, darunter Werke von Edouard Manet, Vincent van Gogh und Paul Cézanne. Im Juni 1939 war Bührle unter den Käufern an der Auktion sogenannter "entarteter" Kunst aus deutschen Museen bei der Galerie Fischer in Luzern. Er bot auf das Hauptlos, van Goghs Selbstbildnis für Gauguin, das ihm jedoch entging.

Während des Zweiten Weltkriegs erwarb Emil Bührle im schweizerischen Kunsthandel rund 100 Bilder überwiegend von französischen Impressionisten. Ab 1940 wurde der in St. Gallen niedergelassene Händler Fritz Nathan in wachsendem Mass zum Berater. Fünf Bilder kaufte Bührle im Herbst 1941 in Paris. Bei der Galerie Fischer und bei der Galerie Aktuaryus erwarb Emil Bührle 1942 und 1943 zwölf Werke, die bei Kriegsende als Raubkunst identifiziert wurden. Ein letztes Raubkunst-Bild gelangte im Sommer 1944 zu Bührle. Alle diese Bilder waren ihren jüdischen Eigentümern in Frankreich vom "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" gestohlen worden, der sie dem deutschen Reichsmarschall Hermann Göring für Tauschgeschäfte in der Schweiz zur Verfügung stellte.

1941 stellte Emil Bührle der Zürcher Kunstgesellschaft eine Stiftung von 2 Millionen Franken in Aussicht für einen Erweiterungsbau für das Kunsthaus. An einer Ausstellung "Ausländische Kunst in Zürich" 1943 war Bührle bereits der wichtigste Leihgeber. Während Bührle seine Privatsammlung strikt von der Firmen-Sammlung getrennt hielt, bot etwa der Bau einer Betriebskantine in Oerlikon Gelegenheit für grosse Wandbildaufträge an Schweizer Künstler. 1945 gründete Emil Bührle die Goethe-Stiftung für Kunst und Wissenschaft, und im gleichen Jahr übernahm das Kunsthaus Zürich die Durchführung des von Bührle gestifteten "Preises für Schweizer Malerei".