1936–1959: Die Sammlung Emil Bührle
Vertrag mit P. Rosenberg, 1948


1948–1956: Die Raubkunst-Prozesse und die Administration der Sammlung

Als auf Druck der Alliierten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz gezielt nach Bildern gefahndet wurde, die von deutschen Stellen in besetzen Gebieten gestohlen worden waren, wurden 77 Raubkunst-Bilder identifiziert, 13 davon bei Emil Bührle. Ein Grossteil der geraubten Bilder gehörte dem Pariser Händler Paul Rosenberg, der sie bei seiner Flucht in die USA zurückgelassen hatte. Vor der Raubgutkammer des Schweizerischen Bundesgerichts in Lausanne wurde der Prozess zwischen Rosenberg und Bührle als Musterfall behandelt und 1948 als erster zum Abschluss gebracht. Es folgten weitere Entscheide des Bundesgerichts, die den völkerrechtswidrigen Raub der Bilder feststellten und Bührle in vier zusätzlichen Fällen zur Restitution verpflichteten.

In Paul Rosenberg, der seine Galerie seit 1940 in New York betrieb und der ihn 1945 im Zusammenhang mit den geraubten Bildern persönlich aufsuchte, begegnete Bührle erstmals einem Händler von internationalem Format, der seinerseits in Bührle schnell einen potenziell wichtigen Kunden erkannte. Nach Abschluss der Prozesse machte Emil Bührle Paul Rosenberg und den anderen jetzt ermittelten rechtmässigen Besitzern oder deren Erben das Angebot, die geraubten Bilder ein zweites Mal zu kaufen. Von den 13 Raubkunst-Bildern gingen so 9 in Bührles rechtmässiges Eigentum über, 4 gab er zurück; von den zum zweiten Mal erworbenen Werken befinden sich heute 7 in der Stiftung. Die letzte Transaktion war im Februar 1951 abgeschlossen. Gleichzeitig erhielt Emil Bührle die von ihm bezahlten Kaufpreise von den Verkäufern der Bilder zurück, da das Bundesgericht zum Schluss kam, dass er vom Bilderraub in Frankreich nicht gewusst haben konnte und die Bilder gutgläubig erworben hatte.

Ab Anfang 1948 beschäftigte Bührle in seinem Wohnhaus Dr. Walter Drack als Privatsekretär und Konservator für die Sammlung. Dracks Aufgabe war es, systematisch Provenienzen und Literaturangaben zu den gekauften Werken zusammenzustellen, wofür er eine umfassende Kartei der Sammlung erstellte und darin auch die früheren Ankäufe erfasste. Dracks Arbeit wurde dadurch erschwert, dass viele Vorgänge rund um die Ankäufe bei Bührles Auslandreisen oder in der Fabrik in Oerlikon abgewickelt wurden. Dort wurden die Zahlungen erledigt und eine zweite Korrespondenz-Ablage geführt. Ausserdem zögerten die verkaufenden Händler oft, ihre Quellen offenzulegen.

Dracks Nachfolger wurde im Jahr 1956 Dr. Peter Dietschi. Dank den Bemühungen der beiden Privatsekretäre verfügt die Stiftung Sammlung E.G. Bührle über ein im Vergleich mit anderen Sammlungen aus den 1950er Jahren umfangreiches Archiv. Es ist Grundlage für die Provenienzforschung, welche die Herkunft aller Gemälde und Skulpturen im Bestand der Stiftung auf der Website zugänglich macht und laufend aktualisiert.