1936–1959: Die Sammlung Emil Bührle
Bührles prominentestes Bild


1946–1956

Gleich nach Ende des Krieges ging die Zahl der erworbenen Bilder vorübergehend zurück, doch befanden sich unter den Käufen Bilder, die zeigen, dass Emil Bührle mit immer grösserem Ehrgeiz sammelte. 1946 erwarb Bührle bei dem auf holländische alte Meister spezialisierten Händler Nathan Katz in Basel drei als Rembrandt geltende Werke und ein Porträt von Frans Hals. 1948 kaufte er mit dem Knaben mit der roten Weste von Paul Cézanne eines der bekanntesten Bilder der Sammlung, 1949 erwarb er La petite Irène von Auguste Renoir. Weniger glücklich war der Kauf einer angeblichen zweiten Fassung des Selbstbildnisses für Gauguin von van Gogh, das Bührle 1939 in Luzern entgangen war. Das Bild stellt sich bald als Kopie heraus, die in betrügerischer Absicht überarbeitet worden war.

Mit dem Jahr 1951 stieg die Zahl der erworbenen Werke sprunghaft an und umfasste jetzt regelmässig gegen 100 Bilder und Skulpturen pro Jahr. Viele Kaufentscheide traf Emil Bührle auf Auslandreisen, bei denen er am Rande geschäftlicher Verpflichtungen Galerien besuchte. Neben Paul Rosenberg gehörten zum engeren  Kreis führender Händler, bei denen Bührle einkaufte: Germain Seligmann in New York, Georges Wildenstein in New York und Paris, Frank K. Lloyd von Marlborough Fine Art in London, Max Kaganovitch in Paris sowie Walter Feilchenfeldt und Fritz Nathan in Zürich. Ein besonderes Vertrauensverhältnis verband Bührle mit Arthur Kauffmann, dem er im Ersten Weltkrieg begegnet war und der inzwischen in London lebte.

Im Juni 1954 hielt Emil Bührle an der Universität Zürich einen Dia-Vortrag: Vom Werden meiner Sammlung.Darin schilderte er die eigene historische Stellung innerhalb der Rezeption des französischen Impressionismus und erläuterte die kunsthistorischen Prinzipien, die ihn bei der Auswahl der älteren Kunst leiteten. Der Text ist die einzige überlieferte Äusserung Bührles zu seiner Sammlung und verrät ein präzises Bewusstsein für die angestrebten Ziele.